Montag, 16. September 2013

19,6 Millionen Klub startet Initiative für Frauenherzen

Grevenbroich (ots) - Wie weit würden Sie für ein Frauenherz gehen? Nina Ruge, Moderatorin und Buchautorin, macht sich ab sofort für Frauenherzen in Deutschland stark. Gemeinsam mit dem 19,6 Millionen Klub e.V., dessen Botschafterin sie ist, hat sie die Initiative "Geh' für dein Herz" ins Leben gerufen. Ziel ist es, konkrete Projekte rund um die Herzgesundheit von Frauen zu unterstützen. Jeder kann mitmachen: Einfach Schrittzähler anfordern und Schritt für Schritt Sponsorengelder zur Förderung von Projekten sammeln. Mehr Informationen unter www.geh-fuer-dein-herz.de.

Ausreichend Bewegung ist neben einer herzgesunden Ernährung die beste Maßnahme zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Um Menschen zum Gehen zu bewegen und gleichzeitig etwas für die Herzgesundheit von Frauen in Deutschland zu tun, geben der 19,6 Millionen Klub und Botschafterin Nina Ruge nun den Startschuss für die Initiative "Geh' für dein Herz" - pünktlich zum bevorstehenden Welt-Herz-Tag am 29. September. "Vielen ist nicht bekannt, dass Herz-Kreislauf-Erkrankungen auch bei Frauen Todesursache Nummer eins sind", erklärt Nina Ruge. "Tatsächlich ist die Sterblichkeitsrate bei akuten Herzinfarkten bei Frauen höher als bei Männern. Mit der Initiative möchten wir nun aufklären und konkret etwas bewegen!"

Nina Ruge geht für Frauenherzen: Als Botschafterin des 19,6 Millionen Klubs liegt Nina Ruge die Unterstützung einer frauenspezifischeren Medizin in Deutschland am Herzen. "Die medizinische Forschung ist leider nicht in ausreichendem Maße geschlechterspezifisch ausgerichtet", so die Moderatorin und Buchautorin. "Studien, Vorsorge, Medikation, Aufklärung - oftmals sind Männer der Ausgangspunkt für die Erkenntnisse, auf deren Basis wir medizinisch versorgt werden. Das führt dazu, dass Frauen nicht immer die ideale Gesundheitsversorgung zuteil wird." Weiterhin klärt Nina Ruge auf: "Nehmen wir zum Beispiel den Herzinfarkt: Es gibt Symptome, die damit eindeutig verbunden werden. Das Problem ist aber, dass die Symptome bei einem Eva-Infarkt, wie der weibliche Herzinfarkt genannt wird, vielseitiger sind als bei Männern. Daher ist eine Früherkennung wesentlich schwieriger." Hier hilft Aufklärung und eine frauenspezifischere Gesundheitsvorsorge und -versorgung. Mit der Initiative "Geh' für dein Herz" geht Nina Ruge einen großen Schritt in diese Richtung.

Die Initiative "Geh' für dein Herz" - jeder Schritt zählt: Ab sofort können Interessenten bis Ende Dezember 2013 auf www.geh-fuer-dein-herz.de einen von 500 Schrittzählern anfordern. Becel - seit vielen Jahren Experte, wenn es um herzgesunde Ernährung geht - ist Hauptsponsor der Initiative und spendet dem 19,6 Millionen Klub in diesem Jahr für jeden dieser Schrittzähler 50 Euro. Die Spendensumme wird nach Abschluss der Aktion einem Projekt zur Verfügung gestellt, das sich mit einer frauenspezifischeren Gesundheitsmedizin oder Forschung in Deutschland befasst. Für welche Projekte mit Schwerpunkt Herzgesundheit die erlaufene Gesamtsumme gespendet wird, entscheidet der 19,6 Millionen Klub gemeinsam mit Botschafterin Nina Ruge.

Der 19,6 Millionen Klub klärt auf: 19,6 Millionen - so viele Frauen über 45 leben in Deutschland. Das ist ein Viertel der Bevölkerung. "Wenn es aber um die für Frauen über 45 relevante Gesundheitsmedizin geht, ist diese große Bevölkerungsgruppe vergleichsweise unterrepräsentiert", weiß Helga Wachtmeister, Bundesvorsitzende des 19,6 Millionen Klubs. "Hier setzen wir an und machen uns für eine bessere Prävention, Therapie und Altersmedizin für Frauen über 45 stark." So auch mit der Initiative "Geh' für dein Herz". In Skandinavien war diese Initiative bereits sehr erfolgreich. Das schwedische Pendant zum 19,6 Millionen Klub, der 1,6 Miljonerklubben, schaffte es im vergangenen Jahr gemeinsam mit zahlreichen Mitstreitern, umgerechnet vier Mal die Erde zu umgehen - das sind viele Millionen Schritte für Frauenherzen.

Montag, 9. September 2013

Deutsches Kinderhilfswerk fordert Aktionsplan für ein kinderfreundliches Deutschland

Berlin (ots) - Das Deutsche Kinderhilfswerk fordert von der nächsten Bundesregierung die Verabschiedung eines Aktionsplans für ein kinderfreundliches Deutschland direkt nach der Bundestagswahl. "Die Zeit der Tatenlosigkeit muss endlich vorbei sein. Maßnahmen für ein kinderfreundliches Deutschland gehören auf der politischen Agenda ganz nach oben. Trotz aller Lippenbekenntnisse kommt der Kinder- und Familienpolitik immer noch nicht der Stellenwert zu, den diese Zukunftsthemen verdienen. Die Politik hat maßgeblichen Anteil an einer kinderfreundlichen Gesellschaft, da sie wesentliche Rahmenbedingungen für das Aufwachsen von Kindern setzt. So müssen beispielsweise endlich das Problem der Kinderarmut, die an vielen Stellen schlechte Qualität in Kitas und die strukturelle Verankerung von Kinderbeteiligung in Deutschland in Angriff genommen werden", betont Thomas Krüger, Präsident des Deutschen Kinderhilfswerkes.

Bei der Bekämpfung der Kinderarmut muss es ein umfangreiches Maßnahmenpaket mit konkreten Zielvorgaben geben, bei dem es sowohl darum geht, materielle Verteilungsgerechtigkeit herzustellen als auch verbesserte Bildungschancen für sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche zu schaffen. "Viele Konzepte, insbesondere solche, die auf Steuervorteile setzen, greifen bei der Bekämpfung der Kinderarmut zu kurz oder sind sogar kontraproduktiv. Der Kinderzuschlag ist ein wichtiger Baustein zur Bekämpfung der Kinderarmut, muss allerdings reformiert und in eine bedarfsgerechte Kindergrundsicherung münden. Diese soll den allgemeinen und individuellen Bedarfen von Kindern Rechnung tragen und den bestmöglichen Zugang zu Bildung, Freizeit und gesunder Ernährung beinhalten" so Krüger weiter.

Nach Ansicht des Deutschen Kinderhilfswerkes werden Familien in Deutschland durch das Steuer- und Abgabesystem sowie in den sozialen Sicherungssystemen übermäßig belastet. Kindergeld und Elterngeld sind gute Instrumentarien, die die finanziellen Belastungen von Familien teilweise ausgleichen. Das Ehegattensplitting erfüllt dieses nicht in dem Maße und sollte von daher reformiert werden.

Die "Nationale Untersuchung zu Bildung, Betreuung und Erziehung in der frühen Kindheit" (Nubbek) hat aktuell festgestellt, dass vier von fünf Betreuungseinrichtungen in Deutschland nur eine mittlere Qualität aufweisen. "Deshalb müssen wir bei der Kitaqualität endlich Nägel mit Köpfen machen. Das Deutsche Kinderhilfswerk fordert hier von Bund, Ländern und Kommunen ein Investitionsprogramm in Höhe von 50 Milliarden Euro für die nächsten zehn Jahre. Wir müssen die öffentlichen Ausgaben für die Angebote der Kindertagesbetreuung um mindestens ein Drittel steigern. Die von der Bundesregierung beschlossenen Maßnahmen zur Verbesserung der Qualität in Kitas weisen den richtigen Weg, sind aber im Umfang viel zu gering. Wir brauchen bundesweite qualitative Mindeststandards in der Kindertagesbetreuung, die im Kinder- und Jugendhilfegesetz festgeschrieben werden müssen. Und wir brauchen darauf aufbauend ein entsprechendes Qualitätsmonitoring", sagt Thomas Krüger.

Auch die strukturelle Verankerung von Kinderbeteiligung in Deutschland muss vorangetrieben werden. "Die Kommunen müssen finanziell gestärkt werden, damit sie die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an den sie betreffenden Entscheidungen strukturell sicherstellen und ausreichende Angebote der Kinder- und Jugendarbeit, der politischen Bildungsarbeit, der Kinderkultur, aber auch von Freizeitangeboten für Kinder und Jugendliche finanziell absichern können" so Krüger abschließend.

Montag, 2. September 2013

Das Ende der rechten Gewalt?

Berlin (ots) - Während heute der NSU-Untersuchungsausschuss seinen Abschlussbericht im Deutschen Bundestag diskutiert und sich die Politik in Bestürzung über die Morde der Terrorzelle übt, sorgen sich zahlreiche Initiativen gegen Rechts um ihr Fortbestehen. Grund: Die Fördermittel sind nicht nur spärlich, sondern fließen häufig auch nur für einen sehr begrenzten Zeitraum. Ein sinnvolles und wirksames Arbeiten wird damit eher behindert als gefördert.

Das gemeinnützige Analyse- und Beratungshaus PHINEO hat mit Unterstützung der Amadeu Antonio Stiftung über ein Jahr lang bürgerschaftliches Engagement gegen Rechtsextremismus in Deutschland analysiert und gemeinnützige Organisationen aus diesem Bereich besucht. Dabei ging es um die Frage, was nachhaltig gegen rechte Einstellungen wirkt: Welche Handlungsansätze sind erfolgversprechend? Woran erkennt man professionell arbeitende Projekte? Und was sind Best-Practice-Beispiele?

Ergebnis der Analyse: Im gesamten Bundesgebiet gibt es ein ausgesprochen vielfältiges und buntes Engagement gegen Rechts und für mehr Demokratie! 17 Projekte werden heute in Berlin für ihre herausragende Arbeit mit dem Wirkt-Siegel ausgezeichnet.

   - Von der engagierten Jugendfeuerwehr und Initiativen, die gegen 
Alltagsrassismus in der Kirche arbeiten 

   - über Wanderausstellungen, Medienprojekten mit Zeitzeugen und 
schulischen Beratungsangeboten speziell für Kinder und Jugendliche 

   - bis hin zu Projekten, die sich um die Opfer kümmern, und 
solchen, die Gewalttätern beim Ausstieg aus der Szene helfen. 
 
Gemeinsam ist allen Projekten: Ihr Engagement gegen Rechts ist beeindruckend und das trotz oftmals schwierigster Rahmenbedingungen.

Viele der untersuchten Organisationen zeichnen sich durch chronische Unterfinanzierung aus, die dazu führt, dass die Mitarbeiter keine Planungssicherheit haben - weder für die Projekte noch für ihre eigene Stelle. Doch nicht nur an finanzieller Unterstützung von Staat und Wirtschaft mangelt es. Anstelle verdienter Anerkennung für ihre wichtige und häufig gefährliche Arbeit, sehen sich engagierte Bürger immer wieder dem Vorwurf der Nestbeschmutzung ausgesetzt und kämpfen vielerorts gegen das Misstrauen skeptischer Politiker.

Mit der Auszeichnung vorbildlicher Projekte gegen Rechts möchten PHINEO und die Amadeu Antonio Stiftung zu mehr Unterstützung und langfristiger Förderung gemeinnütziger Projekte ermutigen. Denn um rechte Gewalt zu stoppen, braucht es nicht nur Prozesse, sondern eine starke Zivilgesellschaft, die sich dauerhaft gegen rechtsextreme Einstellungen in der Bevölkerung engagiert.

Mittwoch, 28. August 2013

Begegnung mit Holocaust-Überlebenden in der MEDIAN Rheingau-Taunus-Klinik Bad Schwalbach

Bad Schwalbach (ots) - Vor Jahren wäre es kaum denkbar gewesen, dass Überlebende des Holocaust und junge Menschen sich so unbefangen begegnen, wie das in diesen Tagen in Bad Schwalbach geschieht. 20 Polinnen und Polen, die sämtlich auf kaum glaubliche Schicksale verweisen können, trafen - überwiegend aus Warschau kommend - in dem Kurort ein, wo sie für zwei Wochen Gast der MEDIAN Rheingau-Taunus-Klinik sind. Sie überlebten als Häftlinge die Konzentrationslager Auschwitz und Ravensbrück, Sachsenhausen und Dachau oder die Todeslager von Stutthoff und Mauthausen-Gusen. Einige der Gäste haben Jahre in einem KZ zugebracht, andere wiederum wurden dort geboren.

Dass es zu der Begegnung zwischen den Opfern des nationalsozialistischen Rassenwahns und den jungen Deutschen überhaupt kommen kann, ist dem Verein "Zeichen der Hoffnung", dem Versöhnungswerk für eine gemeinsame Zukunft von Polen und Deutschen, zu verdanken. Seit Jahren lädt es Polinnen und Polen nach Bad Schwalbach ein und wird dabei tatkräftig von der MEDIAN Rheingau-Taunus-Klinik unterstützt. Deren Chefarzt Dr. Gerhard Müller hält den Austausch mit den Holocaust-Überlebenden für einen äußerst wichtigen Beitrag zur deutsch-polnischen Versöhnung und bietet den polnischen Nachbarn auch künftig die Gastfreundschaft der MEDIAN Klinik an.

Montag, 19. August 2013

Monitoring-Stelle zur UN-BRK fordert mehr Selbstbestimmung behinderter Menschen in rechtlichen Angelegenheiten

Berlin (ots) - Die Monitoring-Stelle zur UN-Behindertenrechtskonvention hat den Gesetzgeber aufgefordert, die deutsche Rechtslage und die Rechtspraxis hinsichtlich der rechtlichen Handlungsfähigkeit von Menschen mit Behinderungen zu überprüfen. "Die UN-Behindertenrechtskonvention verpflichtet den Staat, Menschen mit Behinderungen auf ihren Wunsch hin beim Handeln und in der Vorbereitung der persönlichen Entscheidung zu unterstützen", erklärte Valentin Aichele, Leiter der Monitoring-Stelle zur UN-Behindertenrechtskonvention, anlässlich der Veröffentlichung des Sammelbandes zu "Gleichheit vor dem Recht".

Der Gesetzgeber habe die Verpflichtung, die rechtliche Selbstbestimmung behinderter Menschen durch geeignete Maßnahmen zu stärken, insbesondere Unterstützungsansätze offensiv zu fördern, die gleichzeitig vor Fremdbestimmung schützten. Damit gebe die UN-Behindertenrechtskonvention ein Modell der assistierten Handlungsfähigkeit in rechtlichen Angelegenheiten vor, das Betreuung und Soziale Arbeit praktisch vor sehr große Herausforderungen stelle.

"Vor allem Menschen mit geistiger oder psychosozialer Behinderung erfahren mehr Einschränkungen im rechtlichen Handeln als nicht behinderte Menschen", sagte Aichele. Als Beispiel nannte er die Stellvertretung im Betreuungsrecht. Da in der Praxis auch nach 20 Jahren immer noch in spezifischen Situationen stellvertretend für Menschen mit Behinderungen gehandelt werde, wo dies nicht erforderlich sei, müsse die Frage aufgeworfen werden, ob die rechtlichen Vorgaben hinreichend entwickelt seien, so Aichele. "Eine unzulässige Einschränkung der Selbstbestimmung durch Stellvertretung stellt ein Überbleibsel der Vormundschaft dar, die dringend überwunden werden muss", so Aichele.

Ein zweites Beispiel sei das Wahlrecht etwa nach dem Bundeswahlgesetz. Das deutsche Recht schließe "Vollbetreute" und in der forensischen Psychiatrie untergebrachte Menschen von der Bundestagswahl aus, was als menschenrechtliche Diskriminierung zu werten sei. Die gesetzlichen Ausschlüsse verstießen nicht nur gegen das Grundgesetz, sondern auch gegen das Recht auf politische Partizipation und seien abzuschaffen.
Der vom Deutschen Institut für Menschenrechte herausgegebene Sammelband umfasst Autorenbeiträge, die das deutsche Recht, seine Begründungen und seine Praxis im Licht des Artikels 12 der UN-Behindertenrechtskonvention (Recht auf gleiche Anerkennung vor dem Recht) prüfen. Die Expertinnen und Experten blicken dabei auf menschenrechtssensible Bereiche, in denen die deutsche Rechtsordnung Menschen mit Behinderungen anders behandelt als nicht behinderte, und zeigen Handlungsbedarfe für Politik und Gesetzgebung auf.

Valentin Aichele (Hrsg.): Das Menschenrecht auf gleiche Anerkennung vor dem Recht. Artikel 12 der UN-Behindertenrechtskonvention. Nomos Verlag, 2013. ISBN 978-3-8329-7153-3. http://www.nomos-shop.de/14309
 
Interview mit Dr. Valentin Aichele: http://www.institut-fuer-menschenrechte.de/
 
Die Monitoring-Stelle zur UN-Behindertenrechtskonvention, eingerichtet im unabhängigen Deutschen Institut für Menschenrechte in Berlin, hat gemäß der UN-Behindertenrechtskonvention den Auftrag, die Rechte von Menschen mit Behinderungen im Sinne der Konvention zu fördern und zu schützen sowie die Umsetzung der Konvention in Deutschland zu überwachen.

Mittwoch, 14. August 2013

Deutsche Umwelthilfe: Kosten für Entlastung der Industrie von der EEG-Umlage drohen 2014 zu explodieren

Berlin (ots) - Großzügige Regelung der Bundesregierung kostet private Stromverbraucher und Mittelstand dieses Jahr fast fünf, im nächsten Jahr bis über sieben Milliarden Euro - Energieintensive Industrie profitiert im internationalen Wettbewerb von Energiewende.

Die Kosten für die von der Bundesregierung ausgeweitete Befreiung energieintensiver Unternehmen von der EEG-Umlage laufen aus dem Ruder. Nach 2,7 Milliarden Euro im Jahr 2012 und fast 5 Milliarden im laufenden Jahr, können die von der Industrie eingesparten Stromkosten 2014 schon deutlich über die 7 Milliarden Euro Marke steigen. Das wäre der Fall, wenn die bei der zuständigen Bundesanstalt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) beantragten Befreiungen von der Umlage alle genehmigt würden. Die Einsparungen der einen sind die Kosten der anderen: Für die Milliardensummen aufkommen müssen alle nicht-privilegierten Stromverbraucher. Die neuen Zahlen sind Teil einer umfangreichen Analyse der Deutschen Umwelthilfe e.V. zur laufenden Strompreisdiskussion. Demnach würden 2014 bei einer nationalen Bruttostromerzeugung von insgesamt etwa 600 Terawattstunden (TWh, Milliarden kWh) schon 120 TWh privilegiert. Dabei ist die Befreiung von der Ökostrom-Umlage nur ein Baustein in einem opulenten Privilegierungsgebäude, mit dem die Bundesregierung die energieintensive Industrie angeblich vor Wettbewerbsnachteilen schützen will und das die Stromverbraucher und Steuerzahler weit über 10 Milliarden Euro pro Jahr kostet.

"Die Bundesregierung hat in ihrer Industrie-Förderpolitik jedes Maß verloren. Mit einer solidarischen Finanzierung der Energiewende oder dem von Klaus Töpfer geforderten Gemeinschaftswerk hat das nichts mehr zu tun. Wer die immer noch überwältigende Zustimmung zur Umstellung unseres Energiesystems hin zu Erneuerbaren Energien mutwillig aufs Spiel setzen will, muss sich genau so verhalten, wie es FDP und Union gerade tun", sagt DUH-Geschäftsführer Michael Spielmann. Die Entlastungen der Industrie auf Kosten aller anderen Stromverbraucher müssten weit zurückgefahren und insbesondere "in jedem Einzelfall davon abhängig gemacht werden, dass Unternehmen, die entlastet werden wollen, eigene Beiträge zur Energiewende, zum Beispiel durch Umsetzung von Effizienz- und Energiesparmaßnahmen im eigenen Betrieb nachweisen."

Spielmann wies darauf hin, dass es für die von Teilen der Wirtschaft und den Gegnern der Energiewende im Regierungslager behauptete Bedrohung der Wettbewerbsfähigkeit deutscher Betriebe durch die Energiewende "keinen einzigen volkswirtschaftlich tragfähigen Hinweis" gebe. Der Handelsüberschuss aus diesem angeblich unter hohen Industriestrompreisen ächzenden Land habe im vergangenen Jahr mit 188 Milliarden Euro und über sieben Prozent des BIP den zweithöchsten Wert seit 1950 erreicht und werde dieses Jahr weiter wachsen. Weil die Überschüsse der einen immer die Krisenschulden der anderen seien, werde die deutsche Wirtschaft im Ausland eher als zu dominant wahrgenommen.

Spielmann wies darauf hin, dass es unter den nicht-privilegierten Stromverbrauchern tatsächlich in Deutschland "begrenzte Problemzonen" gebe. Bedürftige Haushalte einerseits und kleinere energieintensive Unternehmen andererseits würden tatsächlich von steigenden Strompreisen weit überdurchschnittlich belastet. Hier müsse die nächste Bundesregierung endlich dafür sorgen, dass Stromversorger die wegen der Einspeisung von immer mehr erneuerbarem Strom sinkenden Strombeschaffungskosten so schnell an ihre Kunden weitergeben, wie sie es bei steigenden Kosten gewohnt seien. Auch müssten entstehende Härten in bedürftigen Haushalten sozialpolitisch aufgefangen werden.

Jürgen Quentin, Projektleiter Klimaschutz und Energiewende der DUH, erläuterte dass "wegen der umfassenden Fürsorge, mit der sich die Bundesregierung den energieintensiven Betrieben in den vergangenen Jahren gewidmet hat, deren Wettbewerbsfähigkeit auf den internationalen Märkten zu- und nicht abgenommen hat". Für das "dauernde Gerede von der Deindustrialisierung Deutschlands" gebe es auf der Faktenebene keinerlei Begründung. Im Gegensatz zu den Strompreisen der privaten Verbraucher seien die der privilegierten Wirtschaft gleich geblieben oder gesunken, während Detailanalysen zeigten, dass in den meisten EU-Ländern ein Anstieg zu verzeichnen sei. "Deutschland liegt seit Jahrzehnten bei den Industriestrompreisen EU-weit im oberen Drittel, aber seit den Energiewendebeschlüssen gibt es im Wesentlichen nur eine Richtung. Nach unten." Das zeige beispielsweis der Strompreisindex des Verbands Industrieller Energie- und Kraftwirtschaft (VIK), der seit zwei Jahren sinke und derzeit exakt das Niveau des Jahres 2005 aufweise. "Es ist schon merkwürdig: Während der VIK-Strompreisindex monatlich sinkt, jammert der Verband, der ihn erstellt, fast wöchentlich über zu hohe Strompreise."

Selbst von der angeblichen Bedrohung durch die wegen Shalegas-Boom und billigem Strom wieder erwachende Wirtschaftsmacht USA bleibe nach einer genaueren Analyse der dortigen Großhandelspreise für Strom wenig übrig. Zwar seien die Strompreise in den USA traditionell niedriger als hierzulande. Weil sie aber in jüngster Zeit im Mittel nicht stärker gesunken seien als die privilegierten Industriestrompreise in Deutschland, gebe es keine Verschiebung der Wettbewerbsfähigkeit, die irgendjemanden ängstigen müsse. Quentin erinnerte daran, "dass die Kehrseite des günstigeren Stroms in vielen Regionen der USA von jeher der beklagenswerte Zustand der dortigen Stromnetze ist." Wenn in Deutschland der Strom pro Jahr durchschnittlich 15 Minuten ausfalle und in den USA zehn- bis dreißigmal so lange, so sei auch dies ein (Kosten-)Faktor, der bei der Standortwahl von Unternehmen eine Rolle spiele.

Das Hintergrundpapier zur Pressekonferenz finden Sie unter http://l.duh.de/fj4a9

Freitag, 26. Juli 2013

Umfrage: Jeder zweite Diabetiker trifft besondere Reisevorbereitungen

Baierbrunn (ots) - Auch für Diabetiker ist eine Urlaubsreise kein unüberwindbares Hindernis. So unternimmt jeder zweite Diabetiker (50,3%) Urlaubsreisen. Doch sind dann spezielle Vorsorgemaßnahmen nötig, wie eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Apothekenmagazins "Diabetes Ratgeber" ergab. Jeder vierte befragte Diabetiker (24,9%) versorgt sich auf Reisen mit deutlich mehr Teststreifen und Insulin als eigentlich benötigt. Jeder Fünfte (20,5%) nimmt ein Ersatzmessgerät, Ersatz-Pens oder -Spritzen mit. Rund jeder Sechste (16,5 %) klärt vorab mit seinem Arzt die Notwendigkeit speziell für Diabetiker wichtiger Reiseimpfungen, fast ebenso viele (15,5%) tragen für Sicherheitskontrollen ein Attest bei sich, das bescheinigt, dass Medikamente und Material zur Blutzuckermessung mitgeführt werden müssen. Geht die Reise in andere Klimazonen, achtet zumindest jeder zehnte Befragte (10,9%) auf die richtige Lagerung des Insulins. Doch nur 7,3% fragen ihren Arzt, wie sie sich bei Zeitverschiebungen verhalten sollen, z.B. wegen der damit verbundenen Veränderungen des Insulinbedarfs. Und 6,4% erkundigen sich beim Hersteller, welchen Namen ihr Insulinpräparat im Ausland hat, falls sie ein Ersatzmedikament benötigten. Viele Tipps für die Urlaubsvorbereitung gibt es unter http://www.diabetes-ratgeber.net/Reisen/Urlaub-mit-Diabetes-gut-planen-224967.html
 
Quelle: Eine repräsentative Umfrage des Apothekenmagazins "Diabetes Ratgeber", durchgeführt von der GfK Marktforschung in Nürnberg bei 101 Diabetikern ab 14 Jahren.